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Bi-Edukation

Getrennt und zusammen in Bi-Edukation

Das St. Joseph-Gymnasium ist eine Schule für Mädchen und Jungen. In der Sekundarstufe I werden sie in Mädchen- und Jungenklassen getrennt unterrichtet (bi-edukativ), in der Oberstufe in Kursen gemeinsam (koedukativ). Dieses Konzept der Klasseneinteilung in der Sekundarstufe I hat pädagogische und didaktische Konsequenzenfür den Unterricht.

Wir möchten für Mädchen und Jungen eine Lernumgebung schaffen, die es ihnen ermöglicht, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Für eine bestimmte Phase, die Sekundarstufe I, besteht das System der Bi-Edukation, auch parallele Mono-Edukation genannt, das in der großen Umbruchszeit der Pubertät unterstützend wirken kann. Das bi-edukative Konzept berücksichtigt die unterschiedlichen entwicklungspädagogischen Voraussetzungen von Mädchen und Jungen und ermöglicht eine geschlechtsspezifische Anpassung der Unterrichtsmethoden sowie der Förderung von Mädchen und Jungen; den Unterschieden in Entwicklung, Interessen und Begabungen kann Rechnung getragen werden.

Das Konzept der Bi-Edukation fußt auf der Beobachtung, dass – ungeachtet aller Unterschiede innerhalb eines Geschlechtes – die Entwicklung von Mädchen sowohl in physischer als auch in psychosozialer Hinsicht deutlich früher einsetzt als bei Jungen und auch früher abgeschlossen ist.

Dies wirkt sich auf die Atmosphäre in den Klassen und auf das Unterrichtsklima generell aus. In reinen Jungenklassen wie in reinen Mädchenklassen haben geschlechtsspezifische Unterschiede in den Verhaltensmustern und den Begabungsprofilen keine Bedeutung; vielmehr können vermeintliche Schwächen oder auch entwicklungsbedingte ‚Durchhänger‘ besser ausgeglichen werden. In bi-edukativen Lerngruppen sind Zahl und Varianz von Unterrichtsstörungen merklich geringer und leichter identifizierbar. Das Fördern von Interessen und Motivation, etwa für Naturwissenschaften bei den Mädchen und für Sprachen bei den Jungen, kann gezielter erfolgen.

Zudem ermöglichen die mono-edukativen Klassengemeinschaften der Sekundarstufe I eine Persönlichkeitsentwicklung, die (weitgehend) losgelöst von der Geschlechterrolle ist. In diesen geschlechtshomogenen Lerngruppen werden die eigenen Rollen ohne den jeweiligen wertenden und prüfenden Blick des anderen Geschlechtes auf vielfältige Weise ausprobiert und übernommen.

Schülerinnen und Schüler können so in Handlungsfeldern aktiv werden, die in koedukativen Systemen eher geschlechtsspezifisch besetzt sind. Dies wirkt der Ausprägung von Geschlechterstereotypen entgegen und eröffnet der einzelnen Schülerin und dem einzelnen Schüler eine breite Palette an Möglichkeiten, sich und die eigenen Fähigkeiten zu erproben. Die in einer Klassengemeinschaft anfallenden Pflichten und Aufgaben werden ganz natürlich verteilt; eine Zuweisung nach vermeintlich geschlechtstypischen Stärken und Merkmalen unterbleibt.

Ziel ist die Koedukation (s. u.). Koedukative Elemente finden sich sowohl in außerunterrichtlichen Angeboten, etwa in den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften oder im Orchester, wie auch im Unterricht selbst. So sind die Kurse im Wahlpflichtbereich II der Jahrgangsstufen 8 und 9, außer im Fach Informatik, ko-edukativ angelegt. Gleiches gilt für den Projektunterricht der Jahrgangsstufe 8 sowie die klassenübergreifenden Angebote der Individuellen Förderung und des Forschenden Lernens.

 Mit dem Ausklang der Pubertät am Ende der Sekundarstufe I dürften alle Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung so weit vorangeschritten sein, dass sie in der Sekundarstufe II, der gymnasialen Oberstufe, die Kurse geschlechtsunabhängig wählen können. Dies sichert eine breite Angebotspalette im Bereich der Grund- und Leistungskurse. Die Koedukation, das gemeinsame Lernen während der letzten drei Schuljahre, bereitet die Schülerinnen und Schüler realistisch auf Studium und Beruf vor.