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„Befreiungsschlag“: Lesung von Stefan Gemmel

„Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil“ – die Jungs, über die Stefan Gemmel in seinem Roman „Befreiungsschlag“ schreibt, sind zu Straftätern geworden. Sie haben zugeschlagen, einige mehrfach, und werden vom Gericht zu einem Anti-Gewalt-Training bestellt, denn sie wiesen eine „klare schädliche Neigung“ auf. Was für sie zunächst reine Pflichterfüllung ist, gewinnt mehr und mehr an persönlicher Bedeutung. Hier werden sie ernst genommen, der Trainer interessiert sich für sie, hier lernen sie Struktur und erkennen, welche Regeln ihnen guttun. Jugendbuchautor Stefan Gemmel hat ein Jahr lang solch ein Training besucht und anschließend einen Roman verfasst. Daraus las er vor Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9.

Stefan Gemmel interessiert sich, warum die Jungen zu Schlägern geworden sind. Was er über sie erfahren hat, erzählte er den Jugendlichen auf dem Pallotti-Schulhof. Auch mit Hilfe von Übungen, die er aus dem Training kennt, verdeutlichte er, wie schwierig es ist, vom Angegriffenen nicht selbst zum Angreifer zu werden. „Wahrscheinlich kennt ihr diese Bjarne-Typen, die gerne Anführer sind“, sprach Gemmel die Zuhörerinnen und Zuhörer ein. „Und ihr wisst, wie gemein und unfair diese Angriffe sind.“ Zunächst würden sie ausgehalten, aber irgendwann gehe das kaum noch. „Und ab dem ersten Schlag läuft nicht mehr alles logisch.“

Dass Hilfe von außen nötig ist, um die Spannung zu lösen, wurde mit Hilfe einer Übung allen eindrucksvoll veranschaulicht. Verständnis zu wecken, aber auch zu sehen, wo Hilfe geholt werden muss – dieses Ziel wurde in den 90 Minuten durch den unterhaltsamen Vortrag Gemmels deutlich.