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Autor Daniel Höra: Das eigene Leben als Steinbruch

„Die Menschen flossen wie Treibgut einfach weiter“: In Daniel Höras Roman „Das Schicksal der Sterne“ geht es um Flucht und Vertreibung. Über die Erlebnisse der Hauptcharaktere und seinen Werdegang als Autor sprach der Jugendbuchautor mit Schülerinnen und Schülern der Klassen 9. Im Rahmen des Lesefestivals „Käpt’n Book“ war er an unsere Schule gekommen.

Karl ist 15, als er aus seiner Heimat Waldenburg vertrieben wird. Er sieht Tote am Wegesrand, nimmt wahr, wenn es einmal nicht nach Verwesung riecht, stiehlt einer Sterbenden das Brot aus den Händen und hört, wie seine Mutter immer wieder nach der vermissten Tochter ruft.

Adib ist 15, als er aus Afghanistan flieht. Er weicht Minen aus, sucht in Mülltonnen nach Essen und sieht zu, dass er auf den vielen Etappen nach Berlin immer im Verborgenen bleibt. „In ihrer Not hatten sie nichts zu verschenken, am wenigsten Mitgefühl“, heißt es über die Gruppe, mit der Adib flieht, in dem Roman. In Berlin angekommen, trifft er Karl. Beide hatten auf der Flucht ihre Geschwister verloren und schreckliche Dinge erlebt – das verbindet sie.

Daniel Höra lernte auf einer Lesung in Berlin einen afghanischen Jungen kennen, der ihn zu dem Buch inspiriert hat. Dessen Geschichte verknüpfte er mit seiner Familiengeschichte, so dass viele Erlebnisse in den Roman eingeflossen sind, „aber verfremdet und verdichtet“, so Höra. Die Schülerinnen und Schüler zeigten großes Interesse daran, wie Höra als Schriftsteller arbeitet und wie er zu seinem Beruf gekommen ist. „Meine Ausbildung zum Schriftsteller hat 16 Jahre gedauert“, berichtete er ihnen. Schon mit 13 habe er gewusst, dass er gern Bücher schreiben möchte, „denn das kann ich: schreiben“, allerdings musste er erst einige Lebenserfahrung gesammelt haben. Mittlerweile könne er gut davon leben und sich auch keinen anderen Beruf vorstellen. Nur mit den Kommaregeln tue er sich schwer, da halte er es mit der künstlerischen Freiheit. Dieses Argument könnten die Mädchen und Jungen auch in der Schule vorbringen, so Höra; wahrscheinlich aber doch ohne Erfolg. Woher er all seine Ideen nehme, wollten die Jugendlichen wissen. „Ich betrachte das eigene Leben als Steinbruch“, so seine Antwort. Er zeigte sich gewiss, dass ihm noch genug für viele neue Bücher einfalle.