Springe zum Inhalt

Draußen hineinholen: SJG Forum

„Analog ist das neue Bio“, erklärte Dr. Matthias Burchardt, Universität Köln, bei seinem Vortrag unserer neuen Veranstaltungsreihe „SJG Forum“. Er sprach über „Die Schattenseiten der Digitalisierung“ und diskutierte mit Eltern, Schülern und Lehrern über Tablet und Tafel –„wir benötigen beides“ – Totalitarismus und Überwachungsproblematik und die hohe Bedeutung von Menschlichkeit in der Schule.

Daher spricht er sich dafür aus, mit den neuen Medien behutsam umzugehen. Zwar sei es wichtig, die Schüler fit für die digitale Welt zu machen, sie müssten aber üben, sich eine andere Welt vorzustellen, das gehe nur analog. „Wir sollten das Wohlergehen unserer Kinder nicht aus unserer Hand geben und Algorithmen überlassen“, ist er sich sicher. Ihm geht es darum, die Entwicklung nicht einfach passieren zu lassen, sondern sie mitzugestalten, damit Gutes daraus werde. „Wir werden manipuliert“, so Burchardt, dessen müssten wir uns bewusst sein. So würden im Design bewusst suchtindizierende Strategien angewandt. Daher sei er dankbar für die Ruhe an Schulen, an denen es ein komplettes Handyverbot gebe.

Zu den gesundheitlichen Folgen zitierte er die BLICK-Studie der Kinder- und Jugendärzte, die auf den Rückzug des Lesens, eine Hemmung der Sprachentwicklung, Sucht, Aufmerksamkeitsstärkung, Stress und Kopfschmerzen als Folgen von verstärktem Medienkonsum verweis.

Ein weiterer Aspekt seien die Datensicherheit und das Problem der Erpressbarkeit. „Digitalisierung ist ein politisches und ökonomisches Phänomen“, so der Akademische Rat Burchardt. Dem stellte er das Menschenbild der Aufklärung gegenüber. Der Mensch als Vernunftwesen sie nicht das Objekt von Geschehnissen und Machthabern, sondern Urheber der Geschichte. „Er kann gestalten und selbst entscheiden, für das Gute oder das Böse.“

Im Zeitalter der Digitalisierung bräuchten wir die Pädagogik, damit Menschen mit ihrer Vernunft kreativ umgingen, statt sich „in Faulheit zurückzuziehen und die Dinge geschehen zu lassen“.