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Autos klingen auch schön

Nils Haage, Abitur am St. Joseph-Gymnasium Rheinbach 2018

Abiturfächer: Erdkunde, Biologie, Mathe, Englisch

„Mit dem Abitur stehen dir alle Türen offen“– dieser Satz mag zwar vielleicht nicht zu 100 Prozent stimmen, aber mit dem Abitur wurden mir dennoch so viele Türen geöffnet, dass ich lange Zeit nicht genau wusste, was ich denn nun tatsächlich nach der Schule machen sollte.

Da ich mich schon lange für Videoaufnahmen, Videoschnitt, Fotografie sowie Musik und Audiodesign interessierte, machte ich bereits während meiner Schulzeit ein Praktikum beim bayrischen Rundfunk. Tatsächlich waren meine Erfahrungen in diesem Praktikum so positiv, dass ich mich dazu entschloss, Bewerbungen an Fernsehsender und Rundfunkhäuser für eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton zu schreiben. Es dauerte nicht lang, bis ich die ersten Einladungen zu Einstellungstests erhielt. So stand also neben dem Lernen für die Schule auch das Lernen für die Einstellungstests auf meinem Programm. Ich fuhr für Einstellungstests nach Berlin und Frankfurt, es standen noch mehr Städte aus, allerdings änderte ich meine Pläne nach einer Informationsveranstaltung, bei der ich mich mit einem Vertreter aus der Medienbranche unterhielt.

Ein weiteres großes Interesse von mir lag schon immer im Basteln und Bauen. Daher entstand nun der Plan, etwas in Richtung Maschinenbau zu studieren. Da sich das Feld der Ingenieur-Studiengänge dann doch um einiges weiter auffächerte, als ich es annahm, stand ich nun erneut vor einer Anzahl von Möglichkeiten. Durch meine Leidenschaft zum Rennsport und schnellen Autos entschloss ich mich dann allerdings recht schnell für den Studiengang Fahrzeugtechnik. Auf diese Weise ist es mir möglich, mein Interesse für Design und das Ingenieurwesen zu verknüpfen und in der Karosseriekonstruktion sowohl technisch versiert als auch optisch ansprechend zu entwickeln.

Nun galt es „nur noch“ die passende Universität oder Hochschule zu finden. So wurden weitere Stunden vor dem Computer verbracht und erneut in der Familie besprochen, welcher Standort, welche Vorteile hat, wie schnell man wieder Zuhause wäre und ob es gute Bus- und Bahnverbindungen nach Hause gab. Letztlich entschloss ich mich für Süddeutschland, was nicht zuletzt an meiner Faszination für Sportwagen aus dem Stuttgarter Raum lag.

Meine Bewerbung um einen Studienplatz der Fahrzeugtechnik an der Hochschule Esslingen war erfolgreich. So ging es bald darauf zum Tag der offenen Tür nach Esslingen, um sich zu versichern, dass die guten Rezensionen, die man im Internet fand, auch nicht aus der Luft gegriffen waren. Überzeugt von Dozenten, Laboren, Studenten und der Stadt Esslingen an sich ging es zurück nach Hause. Nun galt es das verpflichtende Vorpraktikum für den Wunschstudiengang zu absolvieren.

So ging es für mich bereits zwei Tage nach meinem Abiball zur Arbeit in einen metallverarbeitenden Betrieb in Bonn. Dort absolvierte ich acht der zwölf vorgeschriebenen Wochen meines Vorpraktikums und lernte den grundlegenden Umgang mit Werkzeugen, Maschinen und Werkstoffen. Da ich zwischen ABI-Ball und Semesterbeginn keine zwölf Wochen Zeit hatte und schließlich auch noch umziehen musste, werde ich die restlichen vier Wochen zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff nehmen.

Jetzt wohne ich in einer WG, von der aus ich die Presswerke von Daimler sehe, keine 15 Minuten von Stuttgart-Zuffenhausen und 45 Minuten von Weissach entfernt. Ich wohne gemeinsam mit acht anderen Studenten in einer Wohnung des Studentenwohnheims und habe so schnell eine Menge neue Leute kennengelernt.

Während ich in der Schulzeit noch lachte, als es hieß: „Mathe wird man im Leben immer brauchen“, merkte ich innerhalb von einer Vorlesungswoche, dass in diesem Spruch wohl doch um einiges mehr Wahrheit steckte, als gedacht. So bin ich Pythagoras, Ableitungen und Integration mit dem Abitur nicht losgeworden, sondern fange jetzt erst so richtig damit an. Ein Ingenieursstudiengang ist eben kein Zuckerschlecken und so heißt es dann auch mal Nachtschichten einlegen, wenn Laborberichte fristgerecht fertiggestellt, Konstruktionsskizzen angefertigt, CAD-Modelle erstellt oder Programme geschrieben werden müssen und im Prinzip dreht sich dabei alles um Mathematik. Aber wer es glaubt oder nicht, wenn man einen praktischen Zusammenhang hat, und weiß, wofür man es braucht, kann Mathe tatsächlich Spaß machen. So jubelt man schon mal um 21:30 Uhr in den Computerräumen der Hochschule und feiert sich und sein Team, wenn nach mehreren Stunden das geschriebene Programm zum ersten Mal fehlerfrei durchläuft und einem Rechnungsergebnisse oder Simulationsdaten liefert.

Bisher habe ich noch zu keiner Sekunde an meiner Entscheidung für diesen Studiengang gezweifelt und habe bisher nicht nur viel Neues dazu gelernt, sondern auch neue Menschen getroffen, die die Begeisterung für Autos, Motoren und Geschwindigkeit mit mir teilen.