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Gedanken zur Flut

Liebe Schulgemeinschaft des SJG, 
liebe Familien und Freunde des SJG,

fassungslos und mit großem Entsetzen stehen wir vor dem, was passiert ist. Viele Menschen haben durch die Flutkatastrophe ihr Hab und Gut oder einige sogar ihr Leben verloren.

Zur Fassungslosigkeit und der Trauer mischt sich nun ein Gefühl der Ohnmacht.Was kann ich tun? Was können wir tun? Es gibt doch so viel zu tun, aber: Wo sollen wir anfangen?

Wir sind es gewohnt, dass wir diese Welt gestalten und lesen können, dass die Welt berechenbar und somit auch kontrollierbar ist. In der Schule lernen wir normalerweise diese Regelmäßigkeiten kennen und sollen mit ihnen vertraut gemacht werden, um sie für uns und die Menschheit nutzbar zu machen. Jetzt aber haben wir erfahren, dass dieses Können an seine Grenzen stößt, ja dass diese Welt auch unberechenbar und unbeherrschbar ist. Es zeigt sich, dass das Leben unverfügbar und sehr verletzlich ist. Ein kostbares Geschenk, welches wir in zerbrechlichen Gefäßen transportieren.

In diesem Augenblick der vollkommenen Fassungslosigkeit und Trauer wird uns dieser Geschenkcharakter unseres Lebens und all der Dinge in diesem Leben schmerzhaft bewusst. Und es lässt uns zur Frage kommen, wer es ist, der uns dieses Leben geschenkt hat und es uns nun so schwer und hart vorkommen lässt?   

Wo bleibt dieser Gott? Warum hat er das zugelassen? Warum das alles?

Das sind die Fragen, die in Anbetracht der Ohnmacht nun ins Bewusstsein treten.Diese Frage beschäftigt die Menschen seit Anbeginn ihres Daseins.Die Antwort auf diese Frage bleibt uns Gott letztlich schuldig. In der Geschichte der Menschheit mit Gott haben die Menschen einen Weg gefunden, mit diesem Unverständnis fertig zu werden: Sie haben Klage erhoben. Sie haben Gott angeklagt!

Und auch wir dürfen diese Frage mit vollem Recht nun vor den Herrn bringen! Wir dürfen klagen, weinen und schimpfen! Und wenn einem selbst die Worte fehlen, um diese Klagen zu führen, dann kommt uns Gott sogar zur Hilfe, indem er uns in der Bibel geeignete Worte übermittelt. Mir helfen in diesen Tagen, wo ich die Bilder aus Rheinbach, Bad Münstereifel und dem Ahrtal sehe, die Worte des Psalms 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens?“ Es sind die Worte Jesu am Kreuz, der von allen verlassen dort stirbt. Dieses alte und lange Gebet bringt das Gefühl und die Erfahrung der Ohnmacht und Verlassenheit auf den Punkt.

Aber ebenso wie auf das Kreuz die Auferstehung folgen wird, so endet dieser Psalm auch nicht im Dunkel, sondern es folgt das Wissen des Beters, dass Gott ihn nicht im Stich lässt. Und so hoffe und glaube auch ich, dass der Herr uns nach all dem Schrecken und der Finsternis wieder ans Licht führen wird.

Für diese Zeit, die nun vor uns steht, wünsche ich Ihnen und euch viel Kraft und Gottes Beistand! Ich bete für jede und jeden Einzelnen von Ihnen und euch!

Gott schütze euch!

Daniel Sluminsky
Schulseelsorger