|
„Heuschrecken und Ameisen schmecken nicht schlecht“
Schwester Bernarde berichtet über ihre Arbeit in Uganda
Nach zwei Jahren ununterbrochenem Einsatz in der St.Julie School in Buseesa im Kibaale District in Uganda traf Schwester Bernarde, die ehemalige Direktorin des St.Joseph Gymnasiums, pünktlich zum Weihnachtsfest wieder in Rheinbach ein. Bei 35 Grad hatte sie ihre Heimreise gestartet und war Stunden später wohlbehalten, aber frierend in Düsseldorf gelandet, wo sie von Schwester Liboria herzlich und mit einem warmen Mantel begrüßt wurde.
Bevor sie dann am Fastnachtsdienstag wieder zurück nach Uganda fuhr, berichtete sie am 31.Januar in der Aula ihrer ehemaligen Schule in einem Diavortrag über ihre Arbeit und die Verwendung der Spendengelder, die ihr aus dem Kollegium, der Schüler- und Elternschaft unserer Schule sowie der weiteren Öffentlichkeit zugeflossen sind.
Ein großer Teil der Spendengelder wurde für die Anschaffung und das Aufstellen großer Wassertanks verwendet. „ Unsere Hauptwasserquelle ist das in unseren Tanks aufgefangene Regenwasser. Aus den Tanks holen alle – wenn sie sich denn in der Regenzeit gefüllt haben – in 10 oder 20 Liter Kanistern das benötigte Wasser. Zum Trinken kochen wir alles ab. Aus diesem Grunde sind die angeschafften Tanks überlebensnotwendig, da wir sonst auf eine dünnfließende Quelle oder auf das nicht sehr saubere Bohrloch angewiesen sind.“
Der Kibaale District (vergleichbar einem Bundesland in Deutschland) gilt als einer der ärmsten im Lande. „Es mangelt an allem: an Elektrizität, an fließendem Wasser; es gibt kein Transportwesen, keine ausgebauten Straßen, keinerlei Industrie, absolut keine Infrastruktur. Doch niemand braucht zu hungern, da Uganda ein fruchtbares Land ist.“
Aber die Ernährung sei sehr einseitig. Zum Überleben reiche es, und damit gäben sich die Menschen dort zufrieden. Es sei schwer etwas Neues einzuführen.
„Weil unsere Schule mitten im Busch angesiedelt ist, haben wir uns weitgehend zum Selbstversorger entwickelt. Hauptnahrungsmitztel sind Mais, Süßkartoffeln, Cassava, Matoke (ein grünes Bananengemüse), Bohnen, Erdnüsse, Bananen, Mangos, Papajas, Ananas, Avokados u.a.m. In den letzten drei Jahren haben wir eine Farm mit Kaninchen, Hühnern, Schweinen, Ziegen, Gemüse und Obst aufgebaut. Die tägliche Hauptmahlzeit für unsere Schüler besteht aus Poscho (steifer, weißer Maisbrei ohne jeglichen Geschmack), in unserer Gegend sozusagen Nationalessen, mit roten Bohnen. Am Wochenende gibt es Reis oder Nudeln mit Fleisch aus eigenem Bestand.“
Für Abwechslung im Speiseplan sorgt hin und wieder die Natur: Wenn die Termiten fliegen oder die Heuschrecken, dann herrscht große Freude. Denn die werden dann fleißig vom Boden gesammelt und roh oder gebraten mit Genuss als Delikatesse verzehrt. „Sie schmecken nicht schlecht, aber sie sind auf keinen Fall meine Lieblingsspeise. Man muss sich schon überwinden.“
Die St. Julie School, die 1995 von vier amerikanischen Schwestern des Ordens U.L.Frau gegründet wurde, hat sich inzwischen aus einfachsten Anfängen zu einer überregional bekannten Musterschule in Uganda entwickelt. Sie besteht aus einer Grundschule für Mädchen und Jungen sowie einer höheren Schule für Mädchen im Aufbau. „Es ist wichtig für die Zukunft, Mädchen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, da die Frau in Uganda immer noch in eine untergeordnete Rolle gezwängt wird. Über 50% aller Mädchen werden nach der Grundschule verheiratet. So sehen die Schwestern U.L.Frau sich getreu ihres traditionellen Auftrages besonders der Mädchenausbildung verpflichtet.“
Aber auch einige Jungen, die sich auf Grund ihrer Leistungen in der Grundschule ausgezeichnet hatten, werden durch Schwester Bernarde mit Teilstipendien weiter gefördert, so dass auch sie auf andere weiterführende Schulen gehen können. Von ihnen erhalten wir regelmäßig Briefe und Schwester Bernarde bestätigt, dass sie im Leistungsvergleich überdurchschnittlich gut abschneiden.
Zur Zeit hat die St. Julie School 290 Schüler. Alle wohnen im Internat, da es für die Kinder schwierig ist, täglich stundenlang durch den Busch zur Schule zu laufen. Die Eltern der Schüler zahlen pro Trimester(3 Monate) ca. 40 Euro für Schule und Internat, nicht viel für einen Europäer, doch in Uganda für viele kinderreiche Familien ein Vermögen. Aus diesem Grunde tragen alle Schüler und Schülerinnen durch eine tägliche einstündige praktische Arbeit in Haus, Garten, auf dem Feld und in den Ställen nachmittags zum Schulgeld bei. „Wir nennen das wegen der Beteiligung aller „Family Work““
Trotz aller Schwierigkeiten, die Schwester Bernarde nicht verschwieg, gefällt ihr die Arbeit in Uganda sehr, sonst würde sie in ihrem Alter, in dem man normaler Weise seinen Ruhestand zu Hause genießt, auch nicht zurückfliegen. Nach ihrer Rückkehr wird sie zunächst erst einmal intensiv Krankenpflege betreiben müssen. Denn wenn die Kinder aus den Ferien von zu Hause zurückkommen, seien sie alle krank, weil sie zu Hause so viel arbeiten müssten. Und alle hätten Malaria. Zum Glück gebe es in der Schule dagegen genug Medikamente. „Nach zwei Tagen geht es allen wieder gut.“
Der Freundeskreis, der Schwester Bernardes Arbeit im Busch von Uganda moralisch und materiell unterstützt, erinnert hier noch einmal an das Spendenkonto:
Kreissparkasse Köln (früher KSK Rheinbach) Kontonummer: 045 803 525 BLZ: 386 500 00 Stichwort: „Freundeskreis Schwester Bernarde“ Kontoinhaber: Die Schwestern Unserer Lieben Frau, Stadtpark 31,53359 Rheinbach
Spendenquittungen werden zugeschickt. Ansprechpartner im Kollegium des St.-Joseph-Gymnsiums sind Werner Zepp und Rainer Schulz |