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Indienreise 2006, 2. Teil

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St. Joseph meets India”, (Teil 2)

(Fortsetzung des Reiseberichtes, von Doris Kübler)

Am 19. Oktober landeten wir in Pune. Unser Besuch galt Schwester Noelline und Schwester Casia vom Orden der Sacre Coeur Schwestern, die wir seit 1990 unterstützen, indem wir den SozialarbeiterInnen Antony, Victor, Rashmi, Sabina und Anna ihre jährlichen Gehälter bezahlen.

Die beiden Schwestern und ihr Fahrer erwarteten uns am Flughafen. Begrüßt –wie immer in Indien- wurden wir mit großer Freude und Blumenketten. Auch hier war das Wetter heiß, aber trocken. Nach einer Stunde Fahrt waren wir im Center HOPE, wo 40 Frauen und ihre Kinder auf uns warteten, uns mit rotem Puderpunkt, einem Gebet und brennenden Öllämpchen begrüßten. Dann begann das Programm mit traditionellen Tänzen und der Vorstellung der Frauenaktivitäten.

Jede Frau nimmt an einem Qualifizierungsprogramm teil und arbeitet danach in Kleingruppen, die fast immer durch Mikrokredite finanziert werden. 10 Frauen sparen monatlich 20 (5 Cent) oder 50 Rupien in einer Gemeinschaftskasse, um eine gemeinsame Existenz aufzubauen, sich untereinander zu helfen und Stärke zu entwickeln. In jeder Gruppe gibt es eine Vorsitzende, eine Schriftführerin und eine Kassiererin. So gibt es z.B. Frauen, die Chapatibrot backen, Trinkwasser in Kanistern auf den Märkten verkaufen, Kindergruppen in ihren Hütten betreuen oder Papierlampions anbieten.

Im Anschluss gab es ein langes Gespräch. Uns allen wurde klar, dass Frauen, wo immer sie auch leben, ähnliche Erfahrungen machen: z. B. in der Freude an ihren Kindern, mit Zufriedenheit in ihrer Arbeit, aber auch mit Gewalt, Alkoholismus, Missbrauch in den Familien und Einsamkeit. Aber wir erkannten gemeinsam, dass die deutsche Rechtsposition Frauen stärkt, während sich in Indien die Frauenrechte noch immer nicht durchgesetzt haben und die Frauen fast rechtlos sind.

Am zweiten Tag fuhren wir mit Sr. Casia in das Projekt „Sun City“. Auf dem Gelände dieses riesigen Bauvorhabens leben ca. 100 Wanderarbeiter mit ihren Familien. Jeder Bauunternehmer ist in dem Staat Maharashtra per Gesetz verpflichtet, bei Großprojekten für die Familien der Arbeiter Hütten, für die Kinder Kindergärten und Schulen zu bauen. Die Schwestern haben die Organisation eines Kindergartens übernommen. Wir erlebten 100 Kinder in einem Raum mit sehr beengten Möglichkeiten, aber fröhlich und begeistert über unseren Besuch. In unseren Augen war der Kindergarten spartanisch, aber für die Kinder mit ihren Kindergärtnerinnen eine große Chance.

Am dritten Tag galt unser Besuch Schwester Lucie, ebenfalls eine Sacre Coeur Schwester. Sie hat auf dem Land um Pune vor 10 Jahren mit dem Frauenhaus Maher begonnen, doch in den Jahren sind Kindergärten, Dorfprojekte für Frauen und ein Frauenhaus für geistig und psychisch kranke Frauen hinzu gekommen.

Als erstes besuchten wir das Haus für psychisch kranke Frauen. Da an diesem Tag Diwali, das indische Lichterfest, gefeiert wurde, übergaben wir jeder Frau ein kleines Geschenk. Unbeschreiblich war ihre Freude und Begeisterung, jede wollte ihren Dank mit einer Umarmung ausdrücken. Beim anschließenden Mittagessen mit den SozialarbeiterInnen erfuhren wir, dass alle diese Frauen von ihren Familien „auf die Straße“ gesetzt wurden, da indische Familien kranke Familienmitglieder oft ausstoßen.

Am Nachmittag wurden wir im Frauenhaus Maher von Kindern und Frauen empfangen. Wir erlebten mit, wie eine Frau mit Kind aufgenommen wurde, die aus Südindien vor dem Vater des Kindes flüchten musste. Ein bedrückender Moment für uns! Nach der festlichen Diwali – Prozession und dem anschließenden Abendessen erzählten uns Frauen unter Tränen ihre Lebensschicksale. Unsere Betroffenheit war groß. Wir spürten ihre tiefe Dankbarkeit, als die Frauen ihre Aufnahme durch Sr. Lucie schilderten.

Nach einer heißen, schwierigen Nacht im Maher-Kinderhaus fuhren wir nach dem Frühstück mit der Sozialarbeiterin Hira in mehrere Dörfer, um die dortigen Kinderhäuser zu besuchen. In einem Lehmhaus, ordentlich renoviert, wohnen 20 Kinder unterschiedlichen Alters in einem Raum, mit Küche und Toilette. Mit ihnen leben 2 Frauen aus dem Frauenhaus. Meist kommen die Kinder aus zerbrochenen Familien, sind Waisen oder Straßenkinder. Sr. Lucie hat in 12 Dörfern solche Kinderhäuser aufgebaut. Die Dorfgemeinschaft gibt ihr die Häuser und sie organisiert diese Kindergruppen.

Beim Abschied in Maher hatten wir die Gewissheit, dass Sr. Lucy und ihre Gruppe Frauen helfen, die mit ihren Problemen völlig am Rand der indischen Gesellschaft leben und von ihr vergessen werden.

Über Bombay und Paris ging unser Flug zurück nach Deutschland.

Noch unter dem Eindruck des unbeschreiblichen Getümmels auf den indischen Straßen fragten wir uns: Wo sind hier die Menschen?

         Doris Kübler

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