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Indienreise 2006, 1. Teil

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“St. Joseph meets India” (Teil 1)

Dies ist der Titel eines Filmes, den die Lehrerinnen Doris Kübler und Daniela Roggendorf während ihres Indienaufenthaltes im Herbst 2006 gedreht haben. Die Aufnahmen zeigen  deutlich, dass die vielen Spendengelder unserer Schülerinnen in eine großartige Sache investiert worden sind. Am St. Joseph- bzw. Indien-Tag (19. März 2007) konnten sich die Schülerinnen davon überzeugen, am 31. Mai die Eltern.

Reisebericht von Frau Roggendorf:

Zuletzt war Frau Kübler im Jahre 2002 mit Frau Meyers (mittlerweile pensioniert) in Indien gewesen, um unsere gesponserten Schülerinnen in drei Schulen des Bundesstaates Bihar zu besuchen und die Verwendung unserer Gelder vor Ort zu überprüfen. Im Jahres 2006 stand nun ein weiterer Besuch an und Frau Kübler fragte mich, ob ich sie bei der nächsten Reise begleiten würde. Nur wage ahnend was mich erwarten würde sagte ich spontan zu.

Am 8. Oktober ging`s los, wir stiegen in Düsseldorf  bei nasskaltem Wetter ins Flugzeug ein und nach gut 24 Stunden bei feuchtwarmem Tropenwetter in Patna wieder aus. Schwestern des Ordens Unserer Lieben Frau holten uns freundlicherweise  mit dem Jeep ab und es ging eine ¾ Stunde durch ein atemberaubendes Verkehrschaos:  Rikschas, Fahrräder, 3-Wheeler, Autos, alle fuhren kreuz und quer , um wenige Meter im Kampf um das Vorwärtskommen zu gewinnen, ein einziges Hupen, Bremsen und Gasgeben; neben der Straße Berge von Müll, in denen Hunde und Kühe herumwühlten. Dazu bildete das Kloster, wohin uns die Schwestern brachten, einen wunderbaren Kontrast: eine kühle, ruhige, saubere Oase. Wir konnten uns ausruhen.

Am übernächsten Tag ging es weiter nach Tisri, einen Ort ca 100 km südlich von Patna. Das bedeutete Aufbruch mitten in der Nacht, eine abenteuerliche Jeepfahrt durch den nächtlichen großstädtischen Verkehr Patnas zu einem der Bahnhöfe. Hier sah ich zum ersten Mal mit eigenen Augen ganze Familien, zum Teil mit Säuglingen unmittelbar neben der Fahrbahn auf dem Bürgersteig schlafen mit notdürftig befestigten Decken gegen Regen geschützt. Rund um das Bahnhofsgelände drängelten sich riesige Menschentrauben von Reisenden, dazwischen Händler und Bettler, wartende und schlafende Reisende auf dem Boden  in allen Ecken . Wir waren froh endlich im bequemen Abteil unseres 1. Klasse Zuges zu sitzen, einen Becher dampfenden Chai serviert zu bekommen und aus dem Fenster die wunderschönen Landschaft genießen zu können. Bilder wie aus dem Film Gandhi zogen an uns vorüber. Acht Stunden später wurden wir abermals von einem Jeep der Schwestern abgeholt und gelangten nach einer  vergleichsweise gemütlichen Fahrt über Land schließlich nach Tisri, dem ersten Ziel unserer Reise.

Ein wunderschöner Empfang belohnte uns für alle Strapazen: mit Blumenkränzen geschmückt wurden wir zum Schulhof geleitet, eine Schülerin hielt eine kleine Ansprache und es folgte eigens für uns eine farbenfrohe, wunderschöne Tanzdarbietung.

Die neun Mädchen, die von unserer Schule gesponsert werden, lernten wir persönlich kennen und erfuhren nähere Einzelheiten aus ihren Familien. So war bei einem Mädchen kürzlich der Vater verunglückt, ein anderes hatte eine Augenkrankheit, die erst seit kurzem mit Medikamenten erfolgreich behandelt wird, ein anderes war wergen Krankheit über zwei Monate zu Hause gewesen und gerade erst zurückgekehrt u.s.w. Wir erfuhren, dass das monatliche Schulgeld von ca. 5,30 € von den betreffenden Familien nicht aufgebracht werden kann, weil sie selber nur 15,- bis 20,-€ monatlich zum Leben haben. Andere Familien, deren Kinder nicht gesponsert werden, liefern, wann immer sie können einen Teil ihres Ernteertrages (Reis, Gemüse)in der Schule ab, der dann mit dem Schulgeld verrechnet wird.

Schülerinnen, die weiter als eine Stunde Fußweg von der Schule entfernt wohnen, leben im sogenannten Hostel. Sie können nach Hause fahren, wann immer sich die Möglichkeit ergibt, ebenso häufig kommen aber die Eltern in die Schule, um ihre Kinder zu besuchen.

Im Unterricht, den wir besuchten, fiel uns auf, dass bereits ab der 1. Klasse sowohl Englisch als erste Fremdsprache (ihre Muttersprache ist Santhali) unterrichtet wird als auch viele Begriffe in Mathematik oder Erdkunde direkt auf Englisch gelernt werden. Es findet also großenteils ein bilingualer Unterricht statt. Die dritte Fremdsprache, die alle Kinder lernen müssen, ist Hindi, die zweite Verkehrssprache neben Englisch in Indien.

Am Nachmittag, wenn gegen 15. Uhr der Unterricht beendet war, standen für eine Stunde die verschiedensten Pflichten für die Mädchen auf dem Programm: Wasser vom Brunnen holen, Geschirr und Kleidung waschen, Blumen und Pflanzen im Garten gießen, Reis oder Erdnüsse im schuleigenen Garten ernten. Anschließend wurden Hausaufgaben gemacht und erst danach gab es für eine Stunde Freizeit bis zum Abendessen. Wir sahen die Jugendlichen Volleyball spielen, Joga und Hochsprung üben (im Rock), malen, spazieren gehen, tanzen und erzählen. Da es um 19 Uhr schon dunkel wird und es keine Elektrizität gibt, sind die Abende kurz. Schon bald nach dem Abendessen ziehen sich die Kinder mit einigen Taschenlampen und Kerzen in ihre Schlafräume zurück.

Ähnliches erlebten wir auch in den zwei anderen Schulen, die wir noch besuchten, in Tilaya und Balumath. Überall begegneten uns die Kinder offen, freundlich und lachend. Sie fragten nach unserem Schulalltag, nach Hausaufgaben, nach unseren Tänzen.

Insgesamt wurde uns deutlich, dass die Kinder, die in diesen Schulen zur Schule gehen dürfen, nicht nur das Lesen und Schreiben lernen, sondern auch sich selbst zu organisieren, dass sie an Selbstbewusstsein gewinnen und zu Persönlichkeiten werden, die imstande sind, die Welt um sich herum zu verstehen und mitzugestalten . Sie sind nicht länger hilflose Opfer von Betrug und Korruption. Jeder Cent, der in dieses Schulprojekt geflossen ist, ist eine Investition in die Zukunft dieser Mädchen. Das festzustellen war die Reise wert.

Wir können die Dankbarkeit, die uns entgegengebracht worden ist, nicht in angemessener Weise weitergeben. Vielleicht zeigen aber die Bilder des Films, den wir bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder zeigen werden, besser als Worte dies können, wir ernst es den Mädchen war, wenn sie sagten

Thank you!

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