Sehnsucht – Fernweh – Heimat – Reisen – Lebensreise

„Die letzte Klausur ist geschrieben, alle Themen sind „abgearbeitet“, jetzt wollen wir auch noch etwas Spaß im Deutschunterricht haben.“

Mit dieser Einstellung haben wir uns in den Kursen G4 und G5 der Jahrgangsstufe 10 den letzten Wochen des Deutschunterrichts genähert. Anstatt die Texte anderer Leute zu analysieren, ging es jetzt darum, nach dem Vorbild von Poetry Slams, eigene Texte zu schreiben und vorzutragen.
Natürlich braucht man ein Thema (siehe oben) und ein paar Vorbilder, die wir bei Eichendorff, Trakl, Sarah Kirsch und Hans Eckhardt Wenzel gefunden haben.
Die Texte, die entstanden sind, haben sich völlig von den Vorbildern gelöst und sind sehr eigenständige Darstellungen dessen, was jeder einzelnen am Thema wichtig war.

Viel Vergnügen beim Lesen!

Angela Mainka (im Juli 2012)


 

Das Meer
Nun bin ich groß.
Groß genug um etwas Neues zu entdecken.
Mich ziehts ans Meer.
Das Meer ist blau, das Meer ist weit.
Hier fühle ich mich unverbunden. Freiheit!
Frei sein in der Sonne liegen.
Doch Teutonen Grill ist nicht mein Ding.
Das Meer ist blau, das Meer ist weit
Hier fühle ich mich unverbunden. Freiheit!
Ich mag das Essen. Das Mediterrane,
sehe die Nussschalen am Horizont
und lass den Sand rieseln durch meine Finger.
Ich will hier nie mehr weg.
Urlaubsstimmung.

(von Luisa S.)


Der Moment

Der Moment, in dem ich die Tür öffne.
Der Moment, zum Öffnen einer neuen Tür.
Einer neuen Tür, die sich öffnet.
Eine neue Lebenstür

Alles ist groß,
alles ist neu,
alles ist schön.

Die Stadt.
Die Stadt glänzt und strahlt
für mich allein.
Ja, dass denke ich mir.
Die Stadt strahlt nur für mich.
Zeigt mir ihr schönstes Gesicht.
Das schönste Gesicht meiner neuen Heimatstadt.

Alles ist groß,
alles ist neu,
alles ist schön.

Neue Freunde
Neue Stadt
Neue Umgebung
Neue Tür
Neue Heimatstadt
Neuer Moment, zum Öffnen einer weiteren Tür.

(von Julia S.)


Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?

Das Flugzeug startet, Sitz nach hinten, Augen zu.
Der Nachbar schnarcht, egal, bald ist Urlaub.
Endlich weg, weit weg, soweit es geht,
der Sonne entgegen, etwas Neues erleben.
Möchten Sie etwas trinken? Die Stewardess stört!
In meinem Kopf scheint die Sonne,
das Meer, der Strand,
die Wellen plätschern, langsam schmilzt das Eis,
ein Blick, ein Lächeln,
wer weiß, vielleicht wird’s ja mehr?
Endlich weg, weit weg, soweit es geht,
der Sonne entgegen, etwas Neues erleben.
Raus aus dem Flugzeug, Verwirrung, wohin?
Hauptsache den Koffer, hinaus in die Freiheit.
Andre Länder, andre Sitten,
wieso dauert alles so lang?
Endlich alles beisammen,
Tief Luft holen, Durchatmen,
Raus ins Paradies aus der Flughafentür…

Es regnet.
(N.N)

Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?

Home

Mache ich einen Fehler
Wenn ich nicht fort will?
Nicht in die weite Ferne gehe
um dort etwas zu suchen
von dem ich nicht weiß was es ist?

My sweet home
so glücklich bin ich hier
My sweet home
nichts anderes wünsch ich mir

Geborgenheit
Erinnerungen
wohl fühlen
Vertrautes

My sweet home
so glücklich bin ich hier
My sweet home
nichts anderes wünsch ich mir

Meine Suche ist zu Ende
oder hat noch nicht begonnen?
ich bin zufrieden hier
brauche nicht mehr
in diesem Moment

Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?

Faszination Fremde

Karawanen ziehen durch die Wüste
sonnenheißer Sand
Gewürzmärkte in schwarz, rot und safrangelb
Schillernde Seide
glitzernder Schmuck
Stimmengewirr in fremden Sprachen
Kinderlachen
Der Orient – faszinierende Fremde

Zusammentreffen verschiedener Religionen
miteinander
gegeneinander
Die drückende Hitze des Tages
Die feuchte Kühle der Kirchen
Lichtstrahlen durch bunte Glasfenster
Heiligenstatuen in Gold und Silber
Jerusalem – faszinierende Fremde

Tosendes Rauschen eines Wasserfalls
schwüle Luft
herb-süßer Duft riesiger Blüten
Regenbogenschmetterlinge
sanfter Sonneneinstrahl durch die Blätter uralter Bäume
Jahrtausende überdauernd
dazwischen das Zwitschern hilfloser Vogelküken
Der Regenwald – faszinierende Fremde

Sydney mit seiner berühmten Oper
Tausende Menschen und Sprachen
und doch das gleiche Lachen
Draußen in der Wüste
mit Kängurusprüngen über trockenes Land
Über rotes Gestein in der Hitze
hin zu riesigen schneebedeckten Bergen
Australien – faszinierende Fremde

Die faszinierende Fremde verschiedener Orte
– vereint zu einer Traumreise in die Ferne

(N.N.)

Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?

Island – Land der Gegensätze
Kälte und Hitze
Feuer und Eis
Flammen, die aus dem Boden stoßen
Und durch die Steine gen Tiefe kriechen
Wasser, das brüllend in die Tiefe fällt
Die Klippen tief herab ins Meer
Und an den Ufern zu Diamant gefriert

Island – Land der Gegensätze
Leben und Feuer
Leben und Eis
Ein grüner Teppich deckt die Felsen zu
Und in den Felsen schläft ein Drache
Und über allem glitzert
Eine feine Schicht Kristall

Island – Land der Gegensätze
Lärm und Stille
Wispern und Sturm
Feen in versteckten Höhlen, in tiefem Schlaf
Die Götter und Riesen und Trolle
In wilder Freiheit feiert lautstark
Die Natur ihre Einzigartigkeit.

Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?

Fernweh nach irgendwo?

Hektik
Wecker
hetzen
waschen
essen
rechnen
eilen
nicht verweilen
denken
schwitzen
streiten
spinnen
schuften
knobeln
rechnen
zusammenbrechen
an den Strand
die Ferne
ausschlafen
Ruhe
genießen
riskieren
profitieren
erholen
erleben
entdecken
in der Sonne liegen
neue Kulturen
schwimmen
wolkensanfte Brise
und mein Ich wär wiederbelebt.
Ich will nach irgendwo
Ich will weg von hier
ach könnt ich do wo anders sein
Hier in irgendwo
Ich will von hier nie wieder weg
ach hier bleiben würd ich wollen
Lärm
Kinderschreie
heulen
Chefs
Nerv tötend
kaputt
Kopfweh
Türenknallen
Blätter reißen
Hunde beißen
kläffen
schlagen
klagen
viel zu laut
burn out
Sonnenstich
unbequemes Bett
vergaste Luft
komisches Essen
verdreckter Pool
nicht so cool
zu viel Zeit
ungewohnt
fremde Sprache
Milben
Hitze
Koffer weg
überall Dreck
Ich will nach irgendwo
Ich will weg von hier
ach könnt ich doch wo anders sein
Ich wünsch
Ich hoff
Ich denk
irgendwo in der Sonne liegen
doch irgendwo ists nicht immer schöner
deshalb: sei zufrieden!
(N.N.)

Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?

Keine Fernbedienung fürs Leben

Ferne fängt nicht fesselnd mit Entfernung an,
sondern auch mit opfern vom alltäglichen Abfall, ob fern er nicht jeden, jedoch immer
wieder mich befällt.
Ferne und die Sehnsucht danach fängt fernab auch mit Nähe an.
Nähe zum Neuem netzen und sich Neuschnee in einer anderen neuen Nähe nähern.

Das ist die nachzueifernde Ferne, die näherungsweise in der neuen Nähe liegt.
Doch sich dieser neuen Nähe zu nähern, bedürft es den Notknopf der Bahn zu
nutzen, mit der man Runde um Runde gen Tod fährt.
Bedürft es an Dingen zu wachsen
-Erwachsen werden-

Ferne fängt nicht fesselnd mit Entfernung, opfern, sondern fernab auch mit Nähe an.
Nähe zum Neuem netzen und sich Neuschnee in einer anderen neuen Nähe nähern.

Doch die neue Nähe…wie fern ist sie?
Inwiefern muss ich in 80 Tagen um die Welt,
oder liegt die neue, nachzueifernde Nähe näher beim Nächsten, als ich zu glauben
vermag?

Ferne fängt nicht fesselnd mit Entfernung, opfern, sondern fernab auch mit Nähe an.
Nähe zum Neuem netzen und sich Neuschnee in einer anderen neuen Nähe nähern.

Ich weiß. . . Fragen zur Näherung an die neue nachzueifernde Nähe wird mir nahezu
niemand beantworten können!
Keine Fernbedienung könnte die Sehnsucht nach Ferne so bedienen, dass ich zufrieden
bedient bin.
Denn nur ich allein besitze die richtige Bedienungsanleitung von ihr und werde,
das habe ich jetzt verstanden, ein Leben lang brauchen, um sie zu verstehen.

(N.N.)

Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne::::::::Zuhause::::::::Ferne/Zuhause?