Stefanie de Velasco liest aus „Tigermilch“

Lesung de Valesco 1Inmitten ihrer weiblichen Zuhörerschar fühlte sich Stefanie de Velasco sichtlich wohl. Die Autorin des Jugendbuchs „Tigermilch“ war am Mittwoch, 11. November 2015, im Rahmen des Käpt’n Book Festivals zu Gast bei uns und las vor drei Mädchen-Klassen der Stufe 9.

„Das Klima ist schon anders, wenn auch Jungen dabei sind, denn ‚Tigermilch’ ist vor allem ein Buch für Mädchen“, erklärte de Velasco zu Beginn ihrer Lesung. Allerdings gingen die Hauptfiguren des Romans nicht auf eine erzbischöfliche Schule und ob sie an Gott glauben, wüsste sie auch nicht, „aber das sind trotzdem ganz nette Mädchen“.

Der Berliner Autorin, die in Bonn aufgewachsen ist, liegt es am Herzen, die Welt dieser Mädchen auch denen zu vermitteln, denen das multikulturelle Berlin so weit entfernt scheint. Sie selbst sei sehr berührt gewesen, als sie aus der Provinz kommend in der Hauptstadt erlebt habe, welche Probleme Jugendliche haben. Einige davon tauchen in der Welt der 14-jährigen Figuren wieder auf, z.B. der Umgang mit Alkohol, eine drohende Abschiebung, das Verhalten gegenüber Jungs oder ein Ehrenmord.

Lesung de Valesco 2

Die Schülerinnen wollten mehr aus dem Roman hören, als Stefanie de Velasco den zweiten Teil der Veranstaltung, die Fragestunde, beginnen wollte. Sie waren fasziniert von der poetischen Sprache de Valescos und von den Ideen der Heldinnen. So spielen Jameelah und Nini ein Spiel mit Wörtern, die ganz normal klingen, die aber niemand sagen dürfe, wie das Wort „Ufo“ – wer das verwende, würde für verrückt gehalten. Andererseits seien daran glauben und etwas sagen doch zwei unterschiedliche Dinge. „Ufo ist so wie Gott. Gott gibt es nur, weil Leute daran glauben“ – war einer von vielen Denkanstößen aus dem Buch für die Schülerinnen.

Lesung de Valesco 3

Für ein kurzes Gespräch mit der 37-jährigen Autorin war trotz längeren Vorlesens noch Zeit. Petra Goeb, Leiterin des Medienzentrums am St. Joseph-Gymnasium, freut sich über die positiven Reaktionen der Schülerinnen. Seit vier Jahren arbeitet sie mit den Organisatoren des Lesefestivals Käpt’n Book zusammen und hatte diese Veranstaltung vorbereitet.

Der Abenteuerroman über die zwei unzertrennlichen Freundinnen, die schnell erwachsen werden wollen, ist im Medienzentrum ausleihbar. Petra Goeb schildert ihre Lese-Erfahrung: „ Dieser Jugendroman über eine außergewöhnliche Freundschaft, über die Liebe und den Tod, über Verlust und Sehnsucht, sowohl schonungslos als auch zart erzählt, hat mich sehr berührt. Die Freundinnen Nina und Jameelah probieren in Berlin das Erwachsensein und geraten dabei in einen eskalierenden Familienkonflikt. Dem Leser wird vermittelt, dass nicht ein gewisses Alter, sondern nur die Erfahrungen, die uns zustoßen, uns erwachsen machen.“

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